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Montag, 16. September 2013

Wählen oder nicht wählen? Das ist hier die Scheiße.


Nur noch wenige Tage bis zum nächsten bundesweiten Bingowettbewerb und auf einmal kriechen die politischen Geister aus ihren dunklen Löchern, wo sie die letzten 3,99 Jahre gechillt haben. Der Satz „Bistu Swag-Yolo?“ wurde gegen „Gehst du wählen?“ getauscht und ich sehe auf Instagram schon die ersten Bilder von ausgefüllten Wahlzetteln (natürlich mit den passenden Hashtags #Wahl, #food, #love). Ich beobachte dieses Phänomen einerseits mit Freude, da sich plötzlich viele Leute dafür interessieren und darüber diskutieren, ob es beispielsweise eine Frauenquote geben soll. Kurz vor der Wahl erreicht die Information das Volk, dass ein Mindestlohn ja gar nicht so schlecht ist, wenn die eigene Tante dann nicht mehr mit Tempo 100 auf die Altersarmut zusteuert. Mit 400€ (seit einiger Zeit sogar 450€! Yeah, I'm gettin' money, ohh) Jobs hat man nämlich auf den Zielgeraden des Lebens nicht so viel Rente. Hab ich gehört.

Die Politik nimmt in den wenigen Wochen vor der Wahl einen größeren Platz im Leben der breiten Bevölkerung ein und ich finde das toll. Gleichzeitig prognostiziere ich, dass eine nicht zu unterschätzende Zahl an Wählern in nicht mal einer Woche bereits vergessen hat, wer die Wahl gewonnen hat. „Steinmeier? Das war doch der Typ mit dem Stinkefinger oder?“. So oder so ähnlich wird die Post-Wahlphase aussehen. „Man hat schließlich seine Pflicht als Bürger wahrgenommen und sich über die Themen und so informiert. Alles was danach passiert, liegt nicht mehr in meinen Händen. Wie, die Merkel hat ihr Wahlversprechen gebrochen? Verdammt, was hat sie mir nochmal versprochen, damit ich weiß, worüber ich mich aufregen kann?“ Pustekuchen meine Freunde. Kein Schwein denkt da noch dran. Aber wie lang die Zunge von Miley Cyrus ist, dieses Bild geht den Leuten nicht mehr aus dem Kopf. Ich finde das schade, weil Politik nicht nur kurz vor der Wahl gemacht wird, sondern auch davor und danach. Eigentlich ist das schon zu harmlos formuliert: Vor den Wahlen kommt der politische Betrieb in der Regel sogar zum Stillstand. Standby-Mode. Energiespar-Modus. Warum? Weil auf einmal alle Augen auf die Politik gerichtet sind! „Bloß keine Scheiße bauen“, denken sich die fein angezogenen Männer und Frauen. „Lieber nichts machen als etwas machen, was in den Medien gegen einen verwendet werden kann. Die heiklen Sachen verschieben wir lieber auf einen Termin nach der Wahl. Wenn die Affen wieder ihre RTL 2 Bananendokus schauen, statt Nachrichten.“



Doch wenn diese Menschen, die ihren Tag damit verbringen darüber zu diskutieren, wie viel sie verdienen dürfen, wirklich nur Schmocks sind (ich rede über die Politiker/innen) – wieso am 22.9 doch das Haus verlassen? Ich weiß es nicht. Aber ich verstehe, wieso man nicht wählen könnte. Manche Bürger und Bürgerinnen behaupten, sie würden sich nicht für Politik interessieren und nicht wählen gehen, weil es sich eh nicht lohnt. Es verändert sich doch eh nichts. Politikverdrossenheit war der offizielle Begriff dafür. Oder in anderen Worten: Kein Bock (mehr). 
Viele politisch engagierte Menschen wollen diese Abwendung von der Politik bekämpfen. Politik wieder „in“ machen. Das ist tatsächlich keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass der Satz „Ich schaue gerne Nachrichten“ einem das Handy kosten könnte, falls man den auf einem frankfurter Pausenhof bringt. Na gut, übertrieben. Aber man wird trotzdem als uncool abgestempelt. Hält man sich nun vor Augen, dass es verpönt ist, wissen zu wollen, was auf der Welt so abgeht, dann erhält man ein relativ semi-schönes Bild unserer Gesellschaft. Jedenfalls aus der Perspektive eines Menschen, der ein politisch interessiertes Volk für eine  wünschenswertere Nachbarschaft hält, als einen Haufen BILD-Leser.

(Exkurs: Was ich gegen die BILD so habe? Lasst mich die Frage so beantworten. Vor wenigen Wochen hat eine Politikerin der Grünen in einem Interview gesagt, dass die Grünen es begrüßen, dass öffentliche Kantinen und Mensen einmal die Woche nur vegetarische Gerichte anbieten würden. Der berühmte Veggie-Day. Was in manchen Kantinen, wie beispielsweise in vielen Kitas in Bremen, bereits Realität ist, wird in der BILD-Zeitung zur Schlagzeile: "Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten!". Sie erschaffen damit den Eindruck, dass diese Empfehlung, etwas völlig neues und abstruses wäre. Dabei unterstützen sie damit lediglich vorhandene Strukturen und lassen es offen, ob sich Kantinen und Mensen dabei einlassen.)

Ich könnte mich nun an dieser Stelle dafür einsetzen, dass sich mehr Leute für Politik interessieren und dann auch langfristiger. Ich könnte mich jedoch auch auf die Seite derjenigen schlagen, die auf Politik scheißen. Sie tun es nämlich zu Recht. SPD oder CDU? Die Sozialen oder die Konservativen? Spätestens nach der Agenda 2010 wurde klar, dass die SPD doch nicht so sozial sind, wie es ihr Name vorgibt. Und dass die Merkel, die jahrelang den Mindestlohn „kategorisch ausschloss“ (politiker-deutsch für „ja mal gucken, wenn die Mehrheit das will, dann mach ichs“) auf einmal total verrückt danach ist, zeigt uns, dass da die Unterschiede zwischen den großen Parteien nicht sehr groß sind und wie wenig deren Wort wert ist.. Und die Kleinen? FDP, die Partei der Liberalen. Liberal heißt in dem Fall „Reiche und Arme sollen die gleichen Chancen haben weiterhin reich bzw. weiterhin arm zu bleiben.“ Die Partei des Pseudo-Asiaten und des alten Perversen. Die, die denken, dass Adam Smith's unsichtbare Hand nicht nur zum fappen, sondern auch zum regieren geeignet ist. Oder die Grünen? Die Utopisten, die vom Post-Materialismus und Gleichstellung träumen? Die, die seitdem die Energiewende verkündet wurde, ihre „Atomkraft? Nein, danke!“ Aufkleber nicht mehr loswerden? Oder lieber die Linke, die sich intern so gut untereinander verstehen wie die Germany's Next Topmodel Anwärterinnen? Deren Mitglieder sich hauptberuflich mit Nazis prügeln, während sie Marx lesen und ihn 1 zu 1 auf heutige Verhältnisse übertragen wollen?  


Das Sprichwort, dass man nur das geringste Übel wählt, hat also Hand und Fuß. Jede Partei hat Dreck am stecken und es ist gut, dass die Kritik an ihnen so laut und offen wie nur möglich ist. Eine besondere Form der Kritik ist für mich die Satire. Die Satire verarscht, jedoch nicht ohne Grund. Satire macht sich nicht nur darüber lustig, was für eine grauenhafte Frisur Angie mal wieder hat. Satire nimmt etwas aus dem politischen Geschehen und spitzt es bis zur Lächerlichkeit zu. Beispiel: G8. Die meisten meiner Leser/innen wissen, was sich hinter dem Code verbirgt. Nach der Grundschule lieber 8 Jahre pädagogischen Prügel beziehen oder lieber den Spaß auf 9 Jahre verlängern? Eine bestimmte Partei nimmt dieses politische Vorhaben, das seit einigen Jahren die Kinder der Nation beglückt, auf und nimmt es auf den Arm. Die PARTEI fordert G1! Damit die Jugendlichen noch schneller ihr Abi haben und auf den Arbeitsmarkt oder auf die Unis losgelassen werden können: Nur 1 Jahr bis zum Abschluss!



Letztendlich möchte ich keine Werbung für irgendeine Partei machen. Ich weiß nicht mal, ob es sich überhaupt lohnt zu wählen. Ich finde es nur schade, dass es in wenigen Tagen keinen mehr jucken wird, wohin Steinbrück nun seinen Stinkefinger gesteckt hat. Nein im Ernst, ich denke es ist wirklich schade, weil die richtige Kacke erst zwischen den Wahlgängen am dampfen ist. Diejenigen, die nicht nur über Politik reden, weil es gerade alle tun, möchte ich dazu ermuntern, es doch mal weiterhin zu tun. Es ist spannend und manchmal sogar lustig. Nämlich dann, wenn Satire vorhanden ist. Satire hilft die Worthülsen der Politiker und Nachrichtensprecher aufzubrechen und zu verstehen, was wirklich hinter diesen Entscheidungen steckt. Ich empfehle dafür die Heute-Show und die PARTEI. Die Heute-Show fasst einmal in der Woche aktuelle Themen zusammen, während die PARTEI eine "echte" Partei ist. Ein Beispiel, wofür sich die PARTEI einsetzt, wurde mit dem G1-System bereits geliefert.  



Zum Abschied was Feines aus der Heute-Show.


Geht wählen, Leute. Oder auch nicht. 
horst

Montag, 28. November 2011

Günther Jauch und sein Bildungsverlust

Hi Leute,
ich bin heute Nachmittag auf etwas ganz Schreckliches gestoßen. Es war ein so genannter 'Polit-Talk' mit Günther Jauch, also eine als seriös verkaufte Talkshow, mit dem Titel "Generation Doof - warum gibt es so viele Bildungsverlierer?" Was daran so schrecklich war? Ich will es euch gerne erzählen:

Zunächst einmal der Titel. Generation Doof? Solch einen Titel hätte ich von der BILD erwartet, aber doch nicht von DER Polit-Show des öffentlich rechtlichen Fernsehens? Klar geht es darum, dass wir seit PISA feststellen mussten, dass das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich in manchen, ausgewählten, Bereichen defizite aufzeigt. Doch wollen die Köpfe, die diesen Begriff eingeführt haben und in diesem Fall auch benutzen, etwa sagen, dass die vorherigen Generationen schlauer waren? Das wäre nämlich die Konsequenz, wenn man eine Generation doof nennt. Doof ist relativ. Aber das ist (leider) nur das kleinste Problem bei dieser Sendung gewesen.

Es wurde also versucht mit einem Fußballtrainer (Felix Magath), einem 'Vom-Tellerwäscher-Zum-Millionär' SPD Mann, einer ehemaligen Schulministerin und zwei Pädagogen (eine "Kuschelpädagogin"  und ein knallharter Disziplinator) über diese Bildungsmisere zu reden. Doch bevor die aufgezählten Gäste zu Wort kamen, stellte Jauch zunächst eine Wunderkind und eine Omi vor. Das Kind ist hochbegabt, kann Goethes Faust auswendig und wird mit 16 Abi machen. Die Dame hat dagegen mit Ü70 noch ihr Abi nachgeholt und studiert nun. Beide werden als "Bildungsgewinner" verkauft. Es bleibt mir jedoch völlig unklar, warum diese beiden vorgestellt wurden. Was hilft es uns über Generation Doof diskutieren zu können, wenn man uns ein Wunderkind und eine Dame zur Schau stellt? Oh, schön für sie - mehr bleibt da nicht hängen. Im weiteren Verlauf stellen sich die beiden auch als überflüssig heraus, weil sie in keiner relevanten Weise erwähnt werden. Warum auch? Die Dame durfte etwa drüber spekulieren, wieso ihre Kollegen auf dem Abendgymnasium oft kein richtiges Deutsch konnten. "Um cool zu sein", war sinngemäß ihre Erklärung. Dass andere Dimensionen wie kulturelle Hintergründe und soziale Zwänge innerhalb dieser Jugendkulturen eine Rolle spielen könnten, darauf kam niemand. Weder Jauch, noch die Abi-Omi. So begann die Sendung mit einem halb-wissenschaftlichen Auftakt und wuchs seitdem auch nicht über sich hinaus.

Richtig schlimm wurde es jedoch, als die Runde anfing zu reden.
Man meint vielleicht zu glauben, dass es hilfreich wäre eine Diskussionsbasis zu schaffen. Ein gemeinesames Fundament des Themas bilden, worauf man den Diskurs aufbaut um Begriffsirritationen vorzubeugen. Oder um Ahnungslose in das Thema einzuführen, damit sie auch wissen, worüber da geredet wird. Fehlanzeige. Generation Doof wird als ein Haufen von Jugendlichen vorgestellt, die es bei Bewerbungen nicht auf die Reihe kriegen, die Fläche eines Tisches auszurechnen. Das wars, keine weiteren Informationen zum Gegenstand der Diskussion. Der Einwand vom SPD Politiker, dass es pauschalisierend war, wurde weder von ihm selbst noch von jemand anderen ernst genommen. Keiner Bestand auf Differenzierung. Niemand kam auf die Idee, dass es nur 10 Bewerber waren. Eine wissenschaftlich repräsentative Stichprobe ist etwas anderes. Aber wie bereits erwähnt - auf wissenschaftliche Qualität wurde nie wert gelegt. Man merkte es beispielsweise daran, dass die vermeintlichen "Experten", also die Grundschullehrererin und der Realschulleiter, nie wirklich zu Wort kamen. Die eine wurde als Kuschelpädagogin abgestempelt, weil sie das Notensystem anzweifelt. Eine Position, die sie nicht allein in der Pädagogik vertritt. Der andere ein Pädagoge, der durch Strafen seine Berliner Realschüler mit Erfolg diszipliniert hat. Dass diese beiden grundverschiedenen Ansichten einen sowas von großes Diskussionspotenzial ergeben und deren Argumente auch wirklich dazu beitragen können die Frage zu beantworten, woran es liegt, dass unsere Jugend angeblich keine Tischflächen ausrechnen können, darauf kam anscheinend weder die Redaktion noch Jauch.
 
Stattdessen wurde immer nur das Thema gewechselt, ehe eine Diskussion aufkam. Man sprach über persönliche Bildungsgänge der Gäste. Was juckt mich das als Zuschauer, der sich über das Bildungsproblem informieren will? Doch wieso hat keiner der Gäste bemerkt, wie lahm und wie zielverfehlt diese Runde war? Warum hat keiner den Mut gehabt zu sagen: "Herr Jauch, mit Verlaub, wir führen gerade ein sinnloses Gespräch. Weder haben wir zur Genüge geklärt, was Bildungsverlierer eigentlich sind, noch beantworten wir die Frage warum es diese gibt." Es wurden beispielsweise Wortfetzen wie "Familiäre Unterstützung" oder "Geld" reingeworfen. Konkret wurde es jedoch nie. Keine Verbesserungsvorschläge. Keine umfassenden Erklärungsversuche oder Präzisierungen, wie z.B. wohin das Geld gehen soll oder wie man die elterliche Unterstützung verbessern könne. Es blieb schwammig und pauschal. Es entstand der leider der Eindruck, dass niemand wirkliche Ahnung vom Themenkomplex hatte. "Alltagstheorie", hat es eine Dozentin genannt. Viel schlimmer war jedoch das Gefühl, dass niemand den Mut hatte das Thema Bildung in die Hand zu nehmen. Bildung ist leider etwas, womit jeder was mit zu tun haben glaubt und mitreden möchte. Wenn es jedoch ums Eingemachte gehen soll, reicht jeder die heiße Kartoffel weiter, in der Angst sich die Fingerchen daran zu verbrennen.

Wer sich meine 60 minütige pädagogische Qual geben möchte:
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=8888880

Oh Mann...
horst

Dienstag, 20. September 2011

Es ist Krise, meine Damen und Herren!


Gude!
Wie manche schon wissen gebe ich mir vorm schlafen gehen gerne Dokus, Reportagen oder ähnliches. Erklärt an dieser Stelle auch, warum ich die letzten Wochen erst Mittags aufstehe; Ich finde zu oft interessantes Zeugs, das mich nicht wie erhofft in den Schlaf wiegt, sondern vielmehr geistig auf Trab hält. Zuerst wollte ich euch eine Tierdoku zeigen, die so sehr auf Emotionen setzte, dass ich beim Schauen ein Tränchen vergossen habe xD Aber gestern Nacht bin ich auf die Wiederholung von „Günther Jauch“ gestoßen. Richtig, der „Wer wird Millionär?“-Typ. Er hat seit einiger Zeit SternTV verlassen um bei den öffentlichen Sendern DEN Polit-Talk zu moderieren. Jedenfalls erhoffen es sich die GEZ-Eintreiber. Na ja, ich gab mir also gestern Jauchs zweite Sendung und vom Inhalt möchte ich nun berichten. Doch zunächst ist zu erwähnen:
Geht mit einer gewissen kritischen Grundhaltung an diesen Text heran, denn es ist nur Halb-Wissen. So wie ich es bisher in den Medien mitbekommen habe, gebe ich es nun wieder.

Der Titel der einstündigen Runde lautete „Die schwarz-gelbe Pleite! Kann diese Regierung noch den Euro retten?“ Zu Gast waren zu einem Norbert Röttgen, unser derzeitiger Umweltminister und CDU Mann. Neben ihm saß der Herr Rösler, vom Beruf Wirtschaftsminister und Kapitän eines sinkenden gelben Schiffs. Zusammen bildeten sie die Stellvertretung für die momentane Regierung. Zum anderen war auch „Herr Dax“ anwesend, ein medienwirksamer Börsianer, der die Stimme der Finanzmenschen darstellen soll. Außerdem gab es da noch eine „Wirtschaftsweise“, eine Frau, die sich zu den wenigen Auserwählten zählt, die als Experten der Regierung zur Seite stehen. Sie soll offensichtlich eine wissenschaftliche Sicht liefern. Abschließend wäre da noch Klaus Wowereit zu nennen, der als SPD Mitglied die Opposition mimt und daher eine Aufgabe des permanenten Meckerns und Besserwissens einzunehmen versucht.

Die Auswahl der Gäste ist meiner Meinung nach gut getroffen worden, jeder hatte seine relevante Rolle, die dem Zuschauer dazu verhalf das Thema besser zu verstehen. Das Thema an sich kommt allerdings jetzt:
Es ist Krise, meine Damen und Herren. Finanzkrise. Eurokrise. Wer nur ansatzweise Nachrichten schaut oder Zeitung liest, kommt an dieser Tatsache nicht herum. Doch was bedeutet diese Krise? Ich versuche diese Krise mal, meinem derzeitigen Wissensstand nach, kurz für Unwissende zu umschreiben: Griechenland hat Probleme. Das wissen wir nun alle. Doch wie sehen sie im Detail aus? Dass die Griechen kein Geld mehr haben, ist viel zu simpel ausgedrückt. Viel eher müsste man sagen, dass die Griechen nur geringe Chancen haben, das Geld, was sie von ganzen Ländern und Banken ausgeliehen haben, wieder zurückzuzahlen. Sie haben also Schulden, okay. Deutschland auch. Aber was stimmt bei den Griechen nicht? Die Griechen haben leider eine so miese Wirtschaft am laufen, dass viele Unternehmen nicht dazu raten würden, den Griechen Geld zu leihen. Warum müssen sie aber Geld leihen? Momentan brauchen sie beispielsweise Geld, um ihre Beamten zu bezahlen und den Staat am laufen zu halten. Ok, fassen wir zusammen: Die Griechen schulden anderen Ländern und Banken Geld, brauchen aber noch mehr Geld, weil sie momentan mehr ausgeben als einnehmen. Weil sie aber mehr ausgeben als einnehmen, haben sie natürlich kein Geld. Aber Griechenland möchte nicht wirklich pleite gehen, darum leiht es sich Geld und macht noch mehr Schulden. Krasse Logik oder? Leider läuft es aber so. Mit dem geliehenen Geld versucht Griechenland nun die Tatsache, dass es mehr ausgibt, als es einnimmt, zu ändern.. Warum möchte Griechenland aber nicht pleite gehen? Das ist eine sehr gute Frage. (Eigenlob? haha)

In der Sendung ging die Antwort dieser Frage relativ gut hervor: Herr Rösler hat sich ja die letzten Tage ordentlich Prügel eingehandelt, als er laut über eine „geordnete Insolvenz“ Griechenlands nachgedacht hat. Das heißt im Prinzip man lässt Griechenland geplant pleite gehen. Die Prügel hat er erhalten, weil die gegenwärtige europäische Finanzpolitik sowas nicht hören will. Politiker glauben anscheinend, dass jedes schlechte Wort über diese Situation die Börse verärgern wird. Politiker haben also Angst vor der Börse. Was heißt das? Ich verstehe die Lage so, dass es gewisse Spekulanten an der Börse gibt, die sagen „Griechenland wird pleite gehen! Das Geld, das man denen leiht, wird man nie wieder sehen“. Diese sind dann der Grund, dass die Kosten der momentanen griechischen Kopf-Über-Wasser-Halten-Politik steigen. Wenn man Kredite aufnimmt, gibt es ja bekanntlich Zinsen, die man draufzahlen muss. Wenn diese bösen Spekulanten aber nun sagen „Leiht den Griechen kein Geld!“ werden die Zinsen daraufhin ansteigen, weil die Banken, die den Griechen Geld leihen, auf diese Experten hören. Zusammengefasst heißt das: Die Politiker wollen nicht, dass man schlecht über die Krise redet, weil die Kosten, Griechenland zu retten, damit höher werden. Das Gebot ist also: Alles gut reden, dann werden die Börsen auch nicht nervös und wir leihen den Griechen weiterhin Geld mit möglichst niedrigen Zinsen.

Die meisten europäischen Politiker spielen nun bei diesem Spiel mit. Nun kommt der gefälschte Vietnamese ins Spiel, der das ausspricht, was keiner hören will: Griechenland könnte theoretisch auch pleite gehen, wenn die ganz großen Chefs von Europa das als beste Lösung sehen. Es ist der Voldemort-Effekt; Während die Regierungspolitiker die Luft anhalten und „PSSCHT!“ Richtung Rösler zischen, gibt es Stimmen, die ihn dafür loben, das endlich mal ausgesprochen zu haben. Herr Dax meint etwa, dass Griechenland eh schon längst pleite wäre. Das, was man gerade versucht, ist nichts als Zeitschinderei. Die Wirtschaftsexpertin war da vorsichtiger, erwägt aber ebenfalls eine Art Insolvenz, indem man einfach meint: „Hey Griechenland, weißte was? Wir sehen es jetzt ein, dass ihr die ganzen Schulden niemals zurückzahlen könnt. Lass gut sein, du brauchst uns nur noch die Hälfte zurückzahlen ok?“. Natürlich übertrieben gesagt, aber so ist ein derzeit diskutierter Vorschlag, wie man Griechenland dabei helfen kann, an billigere Kredite zu kommen. Billigere Kredite bedeutet mehr Geld für Griechenland, das dabei helfen kann, die Wirtschaft anzukurbeln und die Schulden abzubauen.
Das Traurige an dieser Situation ist jedoch die Einsicht, dass die europäische Politik zittert. Merkel und Co. Haben sowas von Schiss, dass diese Rating-Agenturen auch anderen Ländern eine schlechte Kreditwürdigkeit vergibt. Denn Griechenland sitzt nur in der Scheiße, weil es eine scheiß Wirtschaft hat und sich über die Jahre einen mega Schuldenberg erarbeitet hat. Doch nicht nur Griechenland hat so eine tolle Aussicht, auch andere europäische Länder wie Portugal, Spanien, Irland und Italien. Sie alle fürchten nun, dass die Kredite, von denen sie momentan Leben, teurer werden und zwar irgendwann so teuer, dass sie sich keine neuen mehr leisten können, ohne sich von der europäischen Zentralbank gaaanz billiges (d.h. Mit extra niedrigen Zinsen) Geld zu leihen, um die Zinsen des anderen, teuren Gelds zu decken.Klingt irgendwie dumm oder? Heißt am Ende: Man fürchtet sich vor einem Domino-Effekt. Wenn die Börsen sehen, dass Griechenland untergeht, dann werden sie auch vermuten, dass die anderen überschuldeten Ländern untergehen, trotz der ganzen Hilfe und Geldern, die man den Opfern anbietet. Was passiert also, wenn die anderen Länder auch untergehen? Ja dann stehen wir wohl vor einer Krise, dessen Dimension wir bis jetzt nicht vermuten können. Herr Röttgen meinte in der Sendung: Vor ein paar Jahren ging eine Bank pleite und die Weltwirtschaft hat schon miese Minuszahlen verbuchen können. Wenn jetzt ein ganzes Land pleite geht, ja dann...

Wir machen dann mal eine letzte Zusammenfassung: Die regierende Politik versucht gerade mit Schönrederei und billigen Krediten Griechenland über Wasser zu halten. Sie wollen verhindern, dass die Börsenspekulanten Banken dazu raten, Griechenland nur mit hohen Zinsen Geld zu leihen. Das heißt, dass die Politiker glauben, sie hätten eine gewisse Macht über die Börsenmärkte. Die bittere Realität (und das gibt, zur Verteidigung der Regierung, Röttgen auch zu) sieht aber so aus, dass die Politiker eher nach der Pfeife der Märkte tanzen. Als ob es einer Rating-Agentur bockt, ob die FDP-Spitze laut über etwas nachdenkt! So knallhart sieht es Mr. Dax und viele andere Experten. Die Krisenpolitik sieht momentan so aus, dass man möglichst alle schlechten Nachrichten totschweigt, um das ganze nicht noch schlimmer zu machen, als es schon ist. Neben dem Schweigen ist es jedoch auch ein Bestreben der Politik zu überlegen, wie man Griechenland bei dem Abbau der Schulden helfen kann. Gleichzeitig wird überlegt, wie man so was in Zukunft verhindern kann. Diese beiden Fragen sind allerdings so schwer, dass sich momentan kaum etwas tut, sodass man den Eindruck kriegt, dass sie gerade nichts gebacken kriegen, außer Griechenland frisches Geld zu liefern, dass sie nur für die Tilgung der Zinsen verwenden.

Wenn ich irgendwo falsch lag, möge man mich verbessern. Mir ist durchaus klar, dass ich wahrscheinlich nicht alle Punkte völlig verstanden habe, aber ich möchte hiermit nur ein Bild eines Menschen liefern, der sich bemüht, das Thema zu verstehen.

Zu Letzt noch eine kleine Kritik an die Gäste der Sendung: Es war immer wieder belustigend, wie Rösler bei jeder scheiß Frage eine gleiche Antwort gab. Politikergelaber auf höchstem Niveau. Viel geredet, wenig gesagt. Röttgen zeigte klarer seine Linie, war aber auch eher zurückhaltend. Der beste war jedoch Wowereit, der die ganze Zeit nur „NEUWAHLEN!“ rufen konnte. Als ob eine neue, rote, Regierung die Welt retten könnte.

Das Thema ist verdammt komplex, ich hoffe ich habe es für euch nicht noch komplexer gemacht, sondern ein wenig verständlicher.
horst