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Donnerstag, 24. November 2011

Parkour in der Wissenschaft?

Gude,
ich habe in den letzten Wochen wieder die Zeit dazu gefunden halbwegs Parkour zu betreiben und liebe es nachwievor. Was Parkour für mich ist und warum ich es so liebe, die Antworten findet ihr hier: Horsts-Blogeintrag-über-Parkour. Heute will ich  mich einem Art Transfer widmen. Ich habe mir nämlich die Frage gestellt, was die Ausübung des Sportes und der Philosophie dahinter für Konsequenzen auf mein (wissenschaftliches) Denken besitzen. Die Ergebnisse will ich nun liefern:

Beim Parkour geht es zunächst um Respekt. Respektiert werden der eigene Körper, aber auch die Umwelt, in der man sich bewegt. Als Wissenschaftler ist Respekt ebenfalls höchst wichtig, weil man ein Mitglied der Wissenschaft ist. Die Wissenschaft ist sozusagen die Umwelt, in der man sich bewegt und wie im Parkour geht es darum, seine Umwelt, d.h. das geistige Eigentum der anderen, zwar für seine persönlichen Ziele zu benutzen, aber niemals zu beschädigen. Beschädigung von Wissenschaft würde etwa in Form von Polemik, Plagiaten und unhaltbaren Unterstellungen passieren. Wenn ich etwa eine Hausarbeit schreibe und Quellen verschiedener Autoren benutze, bin ich stets darauf bedacht, dass ich lediglich interpretiere und den Autor in meiner eigenen Art verstehe. Ob der Autor es auch so gemeint hat, ist offen. Eine Bibliothek ist einem Parkour-Spot ähnlich. Es ist ein Spielplatz, den du nutzen kannst, ohne die Sachen zu beschädigen. Denn der Spielplatz steht allen offen und sollte auch weiterhin allen zur Verfügung stellen. 


Parkour ist kreativ. Dies drückt sich etwa darin aus, dass neue Wege beschritten werden. Neue Perspektiven werden gefunden. Nachdem ich mit Parkour angefangen habe, sah ich die Welt buchstäblich mit anderen Augen. Wo vorher eine Mauer war, die einen von etwas abgrenzte, ist jetzt auf einmal ein Gegenstand da, das es mir ermöglicht, die daran angrenzenden Areale zu betreten. Eine graue Betonstadt wird zum Spielplatz und man denkt sich die ganze Zeit "Omg, hier könnte ich von da aus da rüber springen und dann da balancieren um dort zu landen. Ich frag mich wie es dort oben aussieht". Dieses Denken kann man auch ruhig als Wissenschaftler besitzen. Es geht dabei um eine Entfunktionalisierung von Objekten. Tischtennisplatten werden nicht mehr nur zum Tischtennisspielen benutzt, sondern auch dazu genutzt daran einen Katzensprung zu üben. Gleichzeitig kann man ein Werk nicht nur so interpretieren, wie es der Konsens der Sekundärliteratur so tut, sondern das ganze in ein ganz anderes Licht rücken. Aus anderen Standpunkten und Blickwinkeln etwas betrachten ist ein grundlegendes Prinzip von differenzierter wissenschaftlicher Arbeit und genau das wird im Parkour zum Ausdruck gebracht.

Sowohl in der Wissenschaft, wie auch in der Stadt wird man deshalb als Parkour-Denker schief angeschaut, wenn man seine Wege geht. Wenn etwas nicht in das allgemeine Bild passt, so wird es getadelt. Eine letzte Gemeinsamkeit die Parkour und wissenschaftliches Denken gemein haben.


Was haltet ihr davon? : )

horst

Donnerstag, 9. Juni 2011

Warum das Leben keinen Sinn hat


Soo, dann kommt endlich mal wieder etwas Größeres, was nicht mit blogging-about-my-yellow-life zu tun hat.

Ich studiere ja seit 1 ½ Semestern u.a. Philosophie und wenn ich Leuten dies erzählt habe, waren die Reaktionen etwa so:

- „Wow Philosophie? Das finde ich voll interessant, aber studieren würde ich es nicht. Ich meine, was willst du damit später machen?“ (Ich werde Taxifahrer, was sonst?)
- „Philosophie? Oh mein Gott, bestimmt voll das Laberfach oder?“ (Nein - wir schweigen. 6 Semester lang.)
- „Cool, worüber geht es dann im Studium? Beschäftigt ihr euch dann mit dem Sinn des Lebens und so?“ (Also ich beschäftige mich auch damit nachdem ich aus dem Bett steige und den Swag aufgedreht habe.)
- „Philosophie, das ist doch voll tiefsinnig. Passt überhaupt gar nicht zu dir du Horst“ (Fu Dich!)

Na ja, da die Frage nach dem Sinn des Lebens fast öfter gestellt wird als „Wieso können Frauen nicht alleine aufs Klo?“ und weil ich euch hiermit sagen will, dass das Philosophiestudium in der Regel in den ersten Semestern tendenziell gar nicht bis gar nicht auf diese Frage eingeht, werde ich heute eine Antwort darauf geben. 

Jaa wo fangen wir denn da bloß an? Man will also den Sinn des Lebens wissen. Wer fragt so einen Scheiß? Scheinbar Menschen, die es wissen wollen. Warum wollen diese Leute es denn wissen? Nehmen wir mal utopischerweise an, dass jeder Mensch nach Wissen strebt. Er oder sie, will also sowas Lustiges wie Wahrheit. Unumstößliche, absolute, evidente Tatsachen, gegen die Keiner etwas entgegenzubringen hat. Diese Wahrheiten haben den Vorteil, dass man sein Leben an diesen festen Punkten orientieren kann. Ist doch schließlich viel einfacher zu leben, wenn ich nicht jeden Tag befürchten muss, dass die der Himmel uns auf den Kopf fällt (was physikalisch natürlich Unsinn ist, so lang die Masse und damit das Gravitationsfeld der Erde konstant bleibt). Allgemeiner formuliert: Es lebt sich leichter, wenn heute gilt, was gestern schon gegolten hat.

Was ich sagen will ist; Menschen, die nach dem Sinn des Lebens fragen, wollen eine Orientierung. Sie glauben, dass es im dunklen, bitterkalten Kosmos einen Lichtschalter gibt. Wenn sie diesen also endlich gefunden und betätigt haben, würde die ganze Welt auf einmal sinnvoll erscheinen. Gibt es nun diesen Schalter?

Keine Ahnung. Ist zum Glück in meiner Argumentation auch nur halb so schlimm.
In meiner Theorie gibt es nämlich nicht den Sinn des Lebens. Es kann aber durchaus einen Sinn des Lebens geben. Was ist nun der Unterschied? Ganz einfach: Die Tatsache, es gäbe einen so allgemeinen und abstrakten Sinn, der für alles Seiende gilt, ist ja bekanntermaßen unbekannt. Der Wille zur Deduktion, also das Schließen vom Allgemeinen zum Speziellen, sagt aber, dass es so etwas wie einen Sinn des Lebens geben kann. Gehen wir es dagegen induktiv an, schließen also vom Speziellen zum Allgemeinen. Welcher Satz klingt für euch denn bekannter bzw. wahrscheinlicher? „Das Leben hat einen Sinn“ oder „Mein Leben hat einen Sinn“? Diejenigen, die den zweiten Satz wählten, können nun weiterlesen – der Rest möge Alt und F4 drücken.

Worauf ich hinaus will ist, dass der Sinn des Lebens scheinbar etwas privates, etwas individuelles ist. Woher weiß ich nun, dass mein Leben Sinn macht bzw. wann sage ich diesen Satz „Mein Leben hat einen Sinn/macht Sinn“? Nun ja, es ist prinzipiell etwas Gutes, daher schätze ich mal, dass man diese Erkenntnis macht, wenn man zufrieden und glücklich ist. Wenn man sein Handeln nach einer Ordnung, einem Prinzip, richtet, das einen glücklich macht. Wenn es kausale Verkettungen im Handeln gibt, die in der Lage sind die nervige Frage „Warum machst du das?“ immer wieder zu beantworten. Diese Ordnung gilt aber zunächst nur für sich selbst. So viel zum privaten Sinn des Lebens. 

Was ist nun mit dem allgemeinen Sinn des Lebens? Wenn wir wirklich auf der höchsten Abstraktionsebene arbeiten wollen, müssen wir annehmen, dass Leben für alle gleich ist. Denn nur dann, könnte man auch einen Sinn finden, der für alle Leben gilt. Ist denn nun das Leben bei allen gleich? Was ist eigentlich Leben? Ich will nicht abdriften, beantworten wir deshalb diese Frage ein anderes Mal. Aber ist nun das Leben jedes Menschen gleich? Ich hoffe nicht! Es ist natürlich an dieser Stelle heikel zu behaupten, unser aller Leben hätte keinen gleichen gemeinsamen Nenner. Würden wir nämlich etwas finden, das uns alle in einem Punkt gleichwertig macht, gäbe es durchaus Anlass darüber nachzudenken, ob unser aller Leben irgendwo gleich wäre. Abgesehen von der biologischen, biochemischen und physikalischen Ebene – wo wäre dieser Punkt? Es läuft also wieder darauf hinaus, was der Mensch zum Menschen macht. So ist es, wenn man ansatzweise philosophieren will – es kommen immer mehr Fragen als man Antworten geben kann.

Wäre ich nun du und du ich und der Rest wäre wir (oder uns?), wäre unser Leben gleich und wir fänden wohl den Sinn. Da ich in dieser kurzen Argumentation annehme, dass unser aller Leben glücklicherweise verschieden ist, schließe ich damit aus, dass man einen Sinn für das Leben finden kann. Eine derartige Verallgemeinerung dieser Frage ist nicht möglich, weil der Abstraktionsgrad des Sinnbegriffs nicht deckungsgleich mit dem Abstraktionsgrad des Begriffs des Lebens ist. 

Die mir einzig denkbare Formulierung, die dem allgemeinen Sinnbegriff des Lebens nahe kommen könnte, würde lauten:

Der Sinn des Lebens ist, deinem Leben einen Sinn zu geben.

Abschließend möchte ich Allina dafür danken, dass sie mich dran erinnert hat wieder etwas zu schreiben. Danke – wegen dir ist es jetzt fast 2 Uhr morgens, ich bin wach und muss in 6 Stunden aufstehen, obwohl ich bereits Schlafmangel habe. Ich werde bestimmt verschlafen. Du Elende.

Nacht~
horst

Nachtrag:
Etwas muss ich noch unbedingt sagen. Dieses Thema ist ja riesig und meine Diskussion hier ist im Vergleich dazu mehr als mickrig. Darum nehmt bitte zur Kenntnis, dass dies nur eine spontane, populitistische und einfache Behandlung dieses Themas ist. Ich könnte noch soo viel mehr dazu schreiben, viel weiter ausholen, viele interessante Quellen hinzuziehen, viel wissenschaftlicher arbeiten. Nehmt diesen Post darum nur als einen von vielen Wegen auf, sich diesem Problemfeld zu nähern.

Dienstag, 24. Mai 2011

Ist der Finger oben, wird man dich loben

Hellooo!

In meinen letzten Uniwochen habe ich mich ausgiebig mit dem Begriff "Bildung" auseinandergesetzt und festgestellt, dass dieses Wort ziemlich unklar, unscharf und interessant ist. Kennt ihr das? Es gibt in unserem Sprachgebrauch einfach eine Fülle an Wörtern, deren Definitionen wir eigentlich gar nicht kennen. Versucht mal Freiheit in wenigen Sätzen zu definieren. Oder Licht. Kultur. Wenn ihr gut seid, definiert mal Definition : D

Aber gut, ich wollte eigentlich auf den Begriff Bildung kommen. Beispielsweise habe ich im Studium festgestellt, dass Bildung etwas mit Menschenverständnis hat. Wenn ich mir nun die Frage stelle, wohin solle die Bildung gehen, kommen wir schon zu einem großen Problemfeld. Ja, wohin? Am Anfang haben wir einen Menschen und am Ende des Bildungsprozesses soll ebenfalls ein Mensch rauskommen. Was unterscheidet den Menschen am Anfang des Prozesses von dem am ende? Oder ist der Mensch am Anfang eigentlich gar kein Mensch? Was macht den Menschen also aus? Was ist der Mensch?

Ihr merkt, dieses Wort Bildung hat es faustdick hinter den Ohren. 
Stellt diese Frage doch mal euren Lehrern/Lehrerinnen. Meiner Meinung nach sind sie erst Pädagogen, wenn sie für sich eine Antwort drauf gefunden haben. Bildungsbeauftragte in einer Bildungsinstitution sollten das doch eigentlich wissen oder?
Die Antworten würden mich sehr interessieren : )

Bye bye
horst

Mittwoch, 6. April 2011

Dedicated to Prof. Harald Lesch

Yo Fellas,
heute stell ich euch einen großen Mann vor, der sich nun in der Halle meiner inspirierenden Personen rühmen darf: Prof. Harald Lesch!

Wer ist das?
Prof. Harald Lesch ist ein deutscher Astrophysiker, Naturphilosoph und vor allem so ziemlich der medienwirksamste Wissenschaftler unserer Zeit. Er ist bekannt aus Wissenschaftssendungen wie „Alpha Centauri“ oder „Abenteuer Forschung“, in denen er relativ komplexe Themen innerhalb kurzer Zeit dem Zuschauer zu erklären versucht.

Was ist an ihm so besonders?
Ich finde Prof. Harald Lesch einfach toll, weil er es tatsächlich schafft abstrakte Themen für einen Normalsterblichen verständlich zu erklären. Man muss beispielsweise nicht viel Ahnung von Physik haben, um von ihm verklickert zu bekommen, was ein schwarzes Loch im Grunde genommen ist oder wie man sich die Relativitätstheorie konkret vorstellen kann.  Ich bewundere seine Fähigkeit gut erklären zu können, Themen interessant zu verpacken und vor allem seine mediale Präsenz.
Mein persönlicher Favorit unter seinen Fernsehauftritten will ich euch hier liefern. Man beachte die Dialoge zwischen ihm und Frau Zietlow, welche u.a. für Sendungen wie „Der große deutsche IQ-Test“ bekannt ist. ; )








Wo trifft man in den Medien heutzutage sonst auf Physiker oder Philosophen? Spontan fallen mir da nur Nachrichtensendungen ein, die von einem „Experten“ auch den wissenschaftlichen Segen ihrer Berichterstattung bekommen wollen.  Aber ein Wissenschaftler, der außerhalb von Schule und Uni daran bestrebt ist die Kluft zwischen Fachwissenschaft und Bürgerschaft zu verkleinern, ist wahrscheinlich selten.

Denn eigentlich ist es schade, dass man im Alltag wenig Platz für tiefgründige Themen findet. Warum ist es denn uncool mit Freunden über Physik statt über Fußball zu reden? Gibt es da sinnvolle Gründe? Mir fallen jedenfalls keine ein.
Ich finde es schade, dass die Wissenschaft zwar von außen gepriesen, aber im Detail verpönt wird. Dass 3D Kino eine Klasse Sache ist, davon sind viele überzeugt - aber wie das dreidimensionale Bild in unseren Kopf kommt, darüber wollen sich nur die wenigsten Kinobegeisterten den Kopf zerbrechen. Ich könnte noch viele Beispiele bringe,  doch sie alle Zielen auf eines: eine Diskrepanz zwischen Bürgertum und Wissenschaft. Wie sonst könnte man die fernseherische Verbannung von Wissenschafts – und Politsendungen auf unmenschliche Sendezeiten bewerten? Es scheint mir, als ob man aufhört zu staunen. Sich für wissenschaftliche Sachen zu begeistern ist wohl uncool.
Darum ist es von Prof. Harald Lesch so cool, diese Diskrepanz, diese Distanz zu verkleinern und eben dieses natürliche Staunen wieder cool zu machen. Sich zu fragen, was die Erde im Innersten zusammenhält, ist meiner Meinung nach natürlich. Atmen ist auch natürlich. Ist Atmen jetzt uncool?

Tschömitö
horst

Sonntag, 19. Dezember 2010

Der Glaube an die Religion

Glaubst du noch oder weißt du schon?

Ein Thema, auf das ich schon sehr lange kommen wollte.
Schon mal vorab – Glauben ist eine private Sache. Ich will hiermit niemandem zu nahe treten oder gar beleidigen – ich toleriere gläubige Menschen, denke jedoch ebenfalls, dass man als Gläubiger mit gesundem Menschenverstand sich durchaus mit diesem Thema befassen kann, ohne beleidigt zu werden.  Wenn ich euch toleriere, müsst ihr mich gottlosen Heiden auch tolerieren! : D

Fangen wir zunächst mal damit an, was ich unter Religion bzw. Glauben verstehe. Unter Religionen fallen mir da zunächst Schlagwörter wie Gott, Christentum, Islam, Hinduismus, Kirche etc. ein. Was bedeuten diese für den Menschen? Der Glaube besitzt verschiedene Ausprägungsformen. Es gibt Radikale, die ihr Leben streng nach der Religion ausrichten und ein Weltverständnis besitzen, welches vorgegebene Bahnen d.h. Grenzen aufweist. Es gibt die Ungläubigen, die nichts von alldem halten und sich auf das für sie Beweisbare und Wissenschaftliche stützen; und die irgendwo dazwischen. Religion ist Glauben. Man muss sich erst mal vor Augen führen, was Glauben eigentlich bedeutet! Meint man mit „Ich glaube an Gott.“ und „Ich glaube es regnet morgen.“ wirklich das gleiche Wort „glauben“? Glauben ist nicht zu wissen, sondern zu meinen. Das sollte man sich bewusst machen. Da frage ich mich natürlich – will man nicht eher wissen? Wenn ich einen Passanten nach der Uhrzeit frage, weil ich meinen Zug kriegen muss und er mir sagt „Ich glaube halb 11“, wäre ich definitiv unzufrieden und würde ihn bitten doch freundlicherweise auf seiner Uhr nachzuschauen. Ähnlich verhält es sich mit dem Glauben – soll ich wirklich darauf vertrauen, dass mir irgendwelche Personen die Uhrzeit angeben, mit dem Unterschied, dass die religiösen Passanten gar keine Uhren tragen?  Ich jedenfalls verlange absolutes, nachvollziehbares und logisches Wissen.  Ob es sowas wie absolutes Wissen gibt, ist natürlich ein anderes Thema, auf das ich allerdings ein anderes Mal kommen werde.

Religion kann mir also in der Hinsicht kein absolutes Wissen geben, da Glauben nun mal Nicht-Wissen ist. Ich setze hier mal voraus, dass ihr ebenfalls tief in euch drin absolutes Wissen wollt; Z.B. allein aus Neugier wissen zu wollen „was die Welt im Innersten zusammenhält“ wie es Goethes Faust schon meinte.
Warum glaubt man trotzdem?

Nietzsche hat diesen Punkt, meiner Meinung nach, recht plausibel erklärt.  Der Mensch mag es nicht im Dunkeln zu tappen. Sowohl sinnlich als auch geistig. Natürlich plagt es einen nicht zu wissen, woher man kommt, warum man ist und warum Dinge nun mal geschehen wie sie es tun. Darum nimmt man sich einfach irgendeine Erklärung um erst einmal das ungute Gefühl der Unwissenheit zu verdrängen. Religion ist also die Gewöhnung sich mit der erstbesten Erklärung zufrieden zu geben.  Ich würde als Mittelalter-Horst wahrscheinlich auch Gott für die Pest verantwortlich machen, da ich nun noch nie davon gehört habe, dass Flöhe Krankheiten übertragen könnten.
Warum glaubt man also? Um diese negativen Gefühle der Unsicherheit, Unwissenheit, Orientierungslosigkeit u.a. abzuschaffen und auszublenden.
 „Mit Gott macht die Welt endlich Sinn und die gröbsten Fragen sind für mich beantwortet. Jetzt kann ich beruhigt schlafen gehen.“  Diese Einstellung ist zwar verständlich, aber für mich nur als schwach zu bewerten. Gläubige Menschen sind schwach, weil sie sich mit etwas abspeisen lassen, was ihren Trieb befriedigt. Glauben als schwach und triebbefriedigend auszudrücken, ist jetzt natürlich etwas brisant, aber wenn man bedenkt, dass wir von Geburt an dazu veranlagt sind, negative Empfindungen möglichst schnell und einfach zu umgehen, macht es Sinn den Menschen und das Tier auf die gleiche Stufe zu stellen. Dies hängt natürlich davon ab, was für ein Menschenbild man persönlich besitzt. Ich glaube(!), dass der Mensch zu mehr fähig ist, als lediglich seinen Trieben und Instinkten nachzugehen. Wären wir nichts weiter als Opfer unserer Triebe, so würde der Begriff „Willensfreiheit“ ein wenig bröckeln. Nene – ich glaube gern daran, dass ich einen Willen habe. Ihr auch?


Doch wie so vieles im Leben gibt es auch bei Religionen die guten und die schlechten Seiten. Ich erkenne Religionen durchaus in ihrer Funktion an, Moral und Gesellschaft zu bilden. Diese Funktion ist denkbar wichtig, da ein gemeinsames Wertesystem es erst möglich macht, sich untereinander zu verständigen und miteinander zu leben. Ich halte Religion deshalb für sinnvoll, weil sie z.B. ein friedliches Miteinander garantieren kann…
Kann – muss es aber nicht. Viele sehen Religion deshalb als eine Ursache für Krieg und Leid an. Wenn wir um uns schauen können wir  das gewiss nicht abstreiten. Radikaler Islamismus ist heute ja in aller Munde. Doch da pranger ich nicht die Religion an sich an, sondern die Menschen. Radikale Gläubige, die einen absoluten Geltungsanspruch ihrer Religion besitzen wollen. Meiner Meinung nach würde es sogar keine Glaubenskriege geben, wenn jeder ein gewisses Maß (natürlich ist das noch zu definieren) zwischen gesunden Menschenverstand und Glauben besitzen würde. Damit meine ich, dass man sich als Gläubiger vor Augen halten soll, dass man nur glaubt. Das, was man tut kann das „Richtige“ sein. Das, was der Andersgläubige tut, könnte es allerdings auch sein! Man weiß es nicht – man munkelt nur. Wenn jeder mit der angesprochenen Mentalität in die Welt schreitet, gäbe es keinen Religionskrieg mehr, davon bin ich überzeugt. Denn das, was ich meine ist nichts anderes als Toleranz. Man muss sich das Nicht-Wissen bewusst machen, akzeptieren und tolerieren. Radikalismus als stärkste Form von Glauben ist somit auch die stärkste Ausdrucksform der Schwäche.

Der Grund, wieso ich als Mensch also lieber nicht religiös bin, lässt sich mit folgendem Beispiel zeigen:
 Stellen wir uns einen großen fensterlosen Raum ohne Licht vor. Die Wände sind weiß bestrichen, nur an einer einzigen Stelle ist ein schwarzer Punkt, doch man sieht ihn nicht, da ohne Licht  bekanntlich kein Sehen möglich ist. Während der Gläubige mit dem Finger an eine Stelle des Raumes zeigt und meint, er hätte den Punkt gefunden, irre ich lieber durch den Raum und überlege mir, wie ich diesen Punkt finden kann. Sinnlos? Vielleicht – aber lieber versuche ich es, statt mich auf meinen blinden Finger zu verlassen.

Religion ist im Endeffekt nichts Geringeres als Weltansicht. Welche Brille willst du tragen, während du durch die Welt wanderst? Schon das Modell Christentum versucht? Zwar schon ca. 2000 Jahre alt, aber immer noch bei vielen populär. Oder liebe eine alternative Brille wie z.B. Scientology? Gut, wenn man auffallen will. Natürlich kannst du dir selber eine Brille basteln. Alles Geschmackssache.

 Zusammengefasst habe ich also Punkte angegeben, die meiner Meinung nach gegen Glauben sprechen; Wer auf so etwas wie Wahrheit steht, sollte das Glauben vielleicht sein lassen und anfangen wissen zu wollen. Wer davon überzeugt ist, dass der Mensch mehr als ein triebgesteuertes Tier ist, sollte ebenfalls seinen Glauben nochmal überdenken. Wer einen Hang zum kritischen Denken hat sowieso.

Diskutiert mit! Versucht mich davon zu überzeugen, wieso ich glauben sollte. Versucht mich zu bekehren! Nennt mir Gründe, die für Religion sprechen. Ich freue mich auf diesen Diskurs.


Donnerstag, 9. Dezember 2010

Zeit für ein kleines Denkspiel!


Halli Hallo, 
ich weiß ihr steht auf Spiele, darum hab ich folgendes Spiel für euch.
In einer kleinen Lektüre namens „Der PausenPhilosoph“ von Jürgen Werlitz habe ich letztens ein nettes Rätsel gefunden, welches mich noch einige Stunden beschäftigt hat, bis ich es endlich im Internet recherchieren konnte. Es lautet wie folgt:

Alle Bewohner eines Ortes, die sich nicht selbst rasieren, werden vom einzigen dort ansässigen Barbier rasiert. Wer aber rasiert den Barbier?

Man stößt also auf folgendes Problem; Rasiert sich der Barbier selbst, so gilt nicht mehr seine Eigenschaft nur Leute zu rasieren, die sich nicht selbst rasieren. So lange er sich nicht rasiert, gilt aber, dass alle Bewohner dieses Ortes, die sich nicht selbst rasieren (also auch der Barbier selbst), von dem einzigen Barbier im Ort rasiert werden. 
Wer schafft es die Lösung zu finden? : D

Wer sich ebenfalls auf Recherche machen will, kann nach dem „Barbier-Paradoxon“ suchen. Allerdings ist es natürlich cooler sich erst mal selbst den Kopf zu zerbrechen ehe man schummelt und die Lösung nachschaut. :b
Viel Spaß beim Denken/Spielen!

PS: Wer nach der ganzen Denkerei erschöpft ist, kann sich ja folgendes zur Entspannung und Regeneration der Doofheit reinziehen. Ich habe euch beim letzten Blog über Parkour angelogen - die Videos im Blog waren nicht meine Lieblingsvideos zum Thema Parkour. DAS ist es.